Ergebnisse und Abschlussbericht



An dem Projekt haben sich gewerkeübergreifend 51 KKU der Bauwirtschaft beteiligt. Der kleinste Betrieb hatte zwei Mitarbeiter, der größte 38. Durchschnittlich verfügten die beteiligten Pilotunternehmen über 10,8 Beschäftigte, insgesamt über knapp 550. Die Betriebe verteilten sich auf die drei Regionen Dortmund/Bochum, Wuppertal und Köln sowie die Roll-Out-Region Ostwestfalen/Bielefeld.

Grafik Ergebnisse 2013

Abbildung 1: Regionalverbünde, Stand September 2013

Die Zusammensetzung spiegelte dabei sehr deutlich die unterschiedlichen Akquisewege in den verschiedenen Regionen wider. In Dortmund erfolgte der Zugang über die Innungen der Dachdecker und Glaser, in Köln über die Innungen der Dachdecker und der Maler; dementsprechend groß ist die Anzahl der Unternehmen aus diesen Gewerken. In Wuppertal konnte der Unternehmensverbund „Raumfabrik" für das Projekt gewonnen werden. Hierbei handelte es sich um einen Zusammenschluss verschiedener Gewerke. In OWL erfolgte die Akquisition über die Klimatische in der Region.

Zusätzlich bereitete das Projektteam überbetriebliche Seminare und Workshops, z.T. mit externen Fachreferenten, vor, baute Netzwerkstrukturen auf und führte einen Dialog mit Partnern aus der Finanzwirtschaft, der eine bessere Vorbereitung von Handwerksunternehmen auf Kreditverhandlungen und größere Transparenz beim Rating zum Ziel hatte.

Analysen und Instrumente

Die Selbstbewertungen mit CASA-bauen wurden in allen Projektunternehmen und die Ertragsrisikoanalysen nach AWH-Standard in den Betrieben, die dies wünschten, durchgeführt und ausgewertet. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für die vertiefenden Analysen und für die Konzeption von Verbesserungs- bzw. Modernisierungsmaßnahmen.

Innerhalb der Regionalverbünde wurden fünf CASA-bauen Seminare veranstaltet, in denen die Unternehmer die Selbstbewertung ausfüllten. Alle Unternehmen wurden anschließend auf der INQA-Bauen Plattform www.gute-bauunternehmen.de gelistet. Die Seminare dienten gleichzeitig der Netzwerkbildung.

BauWert InWest entwickelte ein Auswertungsinstrument für CASA-bauen, den CASA-star, mit dem der in der Selbstbewertung von den Unternehmern festgestellte Handlungsbedarf hinsichtlich der vom Projekt bearbeiteten Handlungsfelder anschaulich dargestellt und gleichzeitig Empfehlungen für die vertiefenden Analysen gegeben werden. Im Unterschied zu dieser betrieblich-organisatorischen Ausrichtung von CASA-bauen fokussiert die Analyse nach AWH-Standard auf betriebswirtschaftliche Faktoren, insbesondere auf den Unternehmenswert und die Ertragsrisiken.

Erfahrungen mit den Eingangsinstrumenten

Bei allgemein guter Akzeptanz beider Instrumente stieß das CASA-Bauen insbesondere bei den Glaserbetrieben auch auf Kritik. In der Hauptsache wurde aufgeführt, dass das Instrument für kleine Betriebsgrößen, zu denen die Glaser in der Regel zählen, überdimensioniert sei und nicht hinreichend auf die tägliche Praxis der Betriebe eingehe. Da Glasereien meist als Nachunternehmer auf der Baustelle arbeiten, gestaltet sich die Arbeitsorganisation, das Kernthema von CASA-bauen, anders als in den meisten anderen Gewerken.

Das Projektteam hat diese Kritik noch einmal gesondert mit den Glaserbetrieben diskutiert und die diesbezüglichen Bedarfe und Wünsche erhoben, um Vorschläge für eine reduzierte bzw. an die Bedürfnisse der ‚kleinen' Gewerke angepasste CASA-Version zu erarbeiten (‚CASA-nano').

Anpassung der Tools zur vertiefenden Analyse

Die zehn vertiefenden Analysetools entwickelte das Team durch Anpassung an die Besonderheiten von kleinen Handwerksbetrieben. Mit den Tools wurden vertiefende Analysen durchgeführt. Als praktikabel und zielführend für Klein- und Kleinstbetriebe im Baugewerbe haben sich dabei folgende Instrumente erwiesen: die Gesundheitsanalysen des AMD der BG Bau, die Betriebsentwicklungsplanung, die Gefährdungsbeurteilung (Teil B) und die Arbeitssituationsanalyse ASA PLuS. Die übrigen Instrumente waren deutlich weniger oder gar nicht gefragt. Die Auswertung der vertiefenden Tools zeigte in jeder Firma individuell den praktischen Handlungsbedarf zu den vier Handlungsfeldern des Projekts („Personal und Gesundheit", „Organisation und Produktivität", „Strategie und betriebliche Entwicklung" und „Neue Geschäftsfelder und Kooperationen").

Die Tool-Box: Auf die Kombination kommt es an

Das zentrale Projektziel bestand darin, die vorhandenen bzw. im Projekt entwickelten Instrumente zu einem Best-Practice-Set zusammenzustellen, das bundesweit für das Handwerk eingesetzt werden kann. Es hat sich gezeigt, dass der obligatorische Einstieg mittels CASA-bauen und Analyse nach AWH-Standard eine sehr gute Beratungsbasis schafft, da hier Selbstbild und Betriebskenntnisse des Unternehmers zum objektivierenden Blick der Betriebswirtschaft ins Verhältnis gesetzt werden. Diese Spannung liefert, so die Projekterfahrung, ausgezeichnete Anhaltspunkte für Verbesserungsprozesse. Als hilfreich für Unternehmer und Berater hat sich dabei die Visualisierung per CASA-star erwiesen.

Für die vertiefende Analysephase bot das Projekt insgesamt zehn Instrumente. In der Praxis wurden vier Instrumente regelmäßig von den Betrieben abgerufen oder von den Beratern empfohlen (s.o.). 

Überbetriebliche Workshops und Seminare

Neben der Vermittlung fachlicher Inhalte dienten die überbetrieblichen Workshops auch der Netzwerkbildung und -entwicklung.

Folgende Fachseminare und Workshops fanden zentral oder in der Region statt:

  • überbetriebliche Ergebnispräsentation, Fragebogen,
    Gesundheitsanalyse
  • Qualifikations-, Personalsrisiko- und Belastungsanalyse im Handwerk
  • Führen mit Zielen
  • Führen im Handwerk
  • Beschäftigte bei Optimierungsprozessen beteiligen
  • Persönliches Stressmanagement
  • Nachwuchswerbung
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz für Auszubildende
  • Arbeitsschutz- und Gefährdungsanalyse
  • E-VergabeKooperationsmöglichkeiten

Anpassung der Tools zur vertiefenden Analyse

Aus dem Projektverlauf ließen sich folgende Erkenntnisse ableiten:

  • Akquisephase: Drei wesentliche Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Akquise wurden identifiziert: die Nutzung renommierter Plattformen, über die mehrere Unternehmer gleichzeitig zu erreichen sind, die Projektpräsentation durch das Projektteam persönlich und die individuelle Ansprache, bei der Nutzen und Pflichten offen und deutlich erklärt werden.
  • Eingangsinstrumente: CASA-bauen Seminare eignen sich gut, um erste Netzwerkkontakte und einen ersten Austausch zwischen den Unternehmern herzustellen.

Die Evaluation des gesamten Projektes erfolgte in Form einer Sozialen Netzwerkanalyse (SNA). Hier ein Beispiel anhand der Frage nach der Intensität des Erfahrungsaustausches der Projektbetriebe untereinander:

Abbildung 3: SNA Eingangsbefragung Regionalverbund Dortmund, Erfahrungsaustausch

Abbildung 3: SNA Eingangsbefragung Regionalverbund Dortmund, Erfahrungsaustausch

Ziel war eine qualitative und quantitative Bewertung der durchgeführten Maßnahmen. In den Verbünden Dortmund und Wuppertal wurde im Sommer 2011 die Eingangsbefragung durchgeführt, im Regionalverbund Köln im Frühsommer 2012. Die dritte Befragung fand in allen drei Projektverbünden sowie in der Roll-out-Region Ostwestfalen-Lippe parallel statt. 

Den Abschlussbericht können Sie hier in unterschiedlichen Versionen downloaden:

Darüber hinaus steht zum Download bereit: